Kopfgrafik mit einer Buckfastbiene und dem Schriftzug
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Schulungsveranstaltung 2002

in Arnschwang

Am Sonntag, den 17. November lud die Buckfastzüchtergruppe Bayern e.V. zu einer Informations- und Schulungsveranstaltung im LBV Zentrum Mensch und Natur bei Arnschwang im Bayerischen Wald.
Vor weit über 100 Imkern erläuterte zu Beginn der Vortragsreihe der Vorsitzende Josef Koller aus Irchenrieth die Arbeit der Züchtergruppe im fast abgelaufenen Jahr.

Anschließend referierte der Berufsimker Paul Jungels aus Luxemburg über die Verhalts- und Leistungseigenschaften der Buckfastbiene. Seine Berufsimkerei mit 230 Ertragsvölkern ist perfekt durchorganisiert. Besonderer Schwerpunkt ist dabei die Beurteilung der Völker. Diese Beurteilungen, die peinlich genau aufgezeichnet und ausgewertet werden, sind das wichtigste Standbein der Zuchtarbeit. Da Honigbienen quasi als Wildtiere der Natur ausgeliefert sind, können sie nicht unter standardisierten Bedingungen gehalten werden, wie dies bei anderen Nutztieren üblich ist. Ein Zuchtwert kann nur durch Vergleiche am gleichen Standort mit einigermaßen gleichen Startbedingungen beim Zusetzen der Königin ermittelt werden.
Aus einer Vielzahl von Daten werden so die besten Zuchtvölker ermittelt, von denen im Folgejahr junge Königinnen nachgezogen werden. Besonders geeignete, gut durchgezüchtete Linien dienen als "Vatervölker", aus denen die Drohnen für die künstliche Besamung entnommen werden.

Die jungen Königinnen werden von der Begattung im Juni oder Juli bis zum folgenden März in Kleinablegern vorgeprüft. Erst dann werden sie in Wirtschaftsvölker gesetzt, die in den folgenden zwölf Monaten geprüft werden.

Der Buckfastzucht stehen weit größere Möglichkeiten offen als der Reinzucht innerhalb einer Rasse. Ein wesentlicher Bestandteil der Buckfastzucht ist die Einkreuzung neuer Bienenherkünfte, die über züchterisch vielversprechende Eigenschaften verfügen. Aus diesen Kreuzungen werden innerhalb einiger Generationen erbfeste Neukombinationen erzüchtet, die den Buckfaststamm um neue günstige Eigenschaften bereichern bzw. vorhandene erwünschte Eigenschaften verstärken. Bei dieser Kombinationszucht ist die Arbeit mit vielen Ertragsvölkern unabdingbar, da es nur auf hoher Selektionsbreite möglich ist, günstige Eigenschaften erbfest herauszuzüchten und unerwünschte Eigenschaften auszumerzen.

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Ein besonderes Zuchtziel, das seit einigen Jahren intensiv verfolgt wird, ist die Varroaresistenz. Immer häufiger gibt es Jahre mit massiven Völkerverlusten. Dass die Behandlung mit Medikamenten letztendlich eine Sackgasse darstellt, wurde in letzter Zeit immer deutlicher. Gerade der Buckfastzucht dürfte es in absehbarer Zeit gelingen, eine Biene zu entwickeln, die entweder ganz ohne Behandlung auskommt, oder zumindest einer reduzierten Behandlung bedarf.

Da die Buckfastbiene und die Buckfastzucht bis in die jüngste Vergangenheit leider von vielen Vertretern anderer Zuchtrichtungen regelrecht bekämpft worden ist, hielten es die bayerischen Buckfastzüchter für angebracht, sich in einer Züchtergruppe zu organisieren. Ein Teil der Arbeit dieser Gruppe ist die Registratur der Zuchtarbeit. Nur wenn diese Arbeit ordentlich dokumentiert und zentral registriert wird, kann die Züchtergruppe "politisches" Gewicht erlangen.

In einem weiteren Vortrag erklärte Thomas Kober aus Irschenberg die Struktur dieser Registratur und insbesondere die einheitliche Schreibweise, mit der Stammbäume aufgezeichnet werden.

Zum Schluss der Veranstaltung berichtete Reiner Schwarz aus Marquartstein näher über die im Juni 2002 neu eingerichtete Belegstelle der Züchtergruppe. Eine isolierte Belegstelle ist für ernsthafte Zuchtarbeit mit der Honigbiene von äußerster Bedeutung. Da die Drohnen und Königinnen beim Hochzeitsflug sehr weit fliegen ist ein Platz mit einem möglichst großen bienenfreien Radius nötig. Staatlich anerkannte Belegstellen besitzen meist einen Schutzradius von etwa 7 km. Solche Plätze gibt es nur vereinzelt in den Alpen. Reiner Schwarz hat im Frühjahr 2002 einen solchen Platz in den Chiemgauer Alpen ausgemacht, so dass eine Belegstelle eingerichtet werden konnte. Hohe Bergketten wirken zusätzlich isolierend. Als Alternative zu einer sicheren Belegstelle gibt es nur die sehr aufwendige künstliche Besamung, um Paarungskontrolle zu erlangen.
Die tatsächliche Paarungssicherheit soll im Juni 2003 durch einen sogenannten Cordovantest geprüft werden. Reiner Schwarz, der als Belegstellenwart fungiert, erläuterte außerdem die Beschickungsmodalitäten der Belegstelle und wünschte den anwesenden Imkern ein erfolgreiches Zuchtjahr 2003.

Zum Schluss der Veranstaltung verabschiedete die Versammlung eine Resolution, in der der Erhalt einer eigenständigen bayerischen Landesanstalt für Bienenzucht gefordert wird.

Josef Koller
1. Vorsitzender


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