Nicht versäumen möchte ich auf einige Besonderheiten der Zucht auf „Varroamilbenverträglichkeit“ hinzuweisen.

Mit der VSH-Zucht (VSH = Varroa Sensitive Hygiene) haben wir im Landesverband Buckfastimker Bayern e. V. züchterisches „Notstandsgebiet“ versucht zu betreten, um dieses „urbar“ zu machen. Wie anders könnte man die jahrzehntelangen in der Breite relativ wenig erfolgreichen Zuchtbemühungen im Kampf gegen den Parasiten Varroamilbe beschreiben?

Aber ist das wirklich in der ganzen Imkerschaft so, dass keine Resistenzzucht gegen die Varroamilbe betrieben wurde?

Nein, so ist es eben nicht gewesen!

Es gab einige erfolgversprechende Ansätze weltweit, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. In Bayern selbst haben wir den Resistenzzüchter Josef Koller, der schon seit fast 20 Jahren zusammen mit seinen leider inzwischen verstorbenen Züchterkollegen Adolf Kieweg und Thomas Kober einen Weg hin zu einer Resistenz gegen die Varroamilbe gesucht hatte. Es gab erste vielversprechende Erfolge. Allein schon eine ausreichende Anzahl an Bienenvölkern und damit eine größere Selektionsbasis zu haben lässt sich als einzelner Imker nicht realisieren. Wir haben uns daher im Jahr 2015 von Paul Jungels und der Arista Stiftung inspirieren lassen und gründeten die VSH-Projektgruppe im Landesverband Buckfastimker Bayern e. V. Unser LV hat unsere Zuchtbemühungen kräftig unterstützt und inzwischen sind wir mehr als 45 Teilnehmer im VSB-Projekt (VSB = Varroamite Surviving Bee = Varroamilbe überlebende Biene).

Um es kurz zu machen: Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir am Ziel einer „varroamilbenverträglichen Buckfastbiene“ angekommen sein werden. Im Übrigen herzlichen Dank an dieser Stelle an Herrn Professor Dr. Martin Förster für diesen mir neuen aber doch sehr treffenden Begriff. Es ist somit nahezu egal, ob es sich nun um „Varroatoleranz“ oder „Varroaresistenz“ handelt. Wichtig ist es, dass die Bienen überleben und auch noch Honig eintragen.

Die heuer zum Einsatz kommenden Königinnen in den Drohnenvölkern der VSH-Belegstellen haben wir von überwinterten eindrohnbesamten Königinnen erstellt, die mehrfach auf 100 % VSH getestet wurde. Sie haben mit ihrem Spermavorrat zum Glück so lange durchgehalten. Und die Buckfasteigenschaften der „Mädels“ sind „gar nicht mal sooo schlecht“ gewesen… Im Ammergebirge stehen heuer leider noch keine auf VSH vorgeprüften Drohnenvölker. In Leyhörn haben wir inzwischen sogar alle Drohnenvölker auf VSH vorgeprüft. Dies werden wir erst für alle VSH-Belegstellen in 2021 leisten können. Dies ist schon einmal ein weiterer Fortschritt.

Aber es sollte jedem Beschicker bewusst sein, dass durch natürliche Prozesse das Erbgut eben nicht zu 100 % an die Filialgeneration weitergegeben wird! Und es sind 216 = 65.536 Möglichkeiten an Töchtern, die aus dem Erbgut der Mutter und des Vaters hervorgehen können. Und es sollte auch klar sein, dass man sich ausdrücklich keine Wunderdinge von den Nachzuchten der auf einer VSH-Belegstelle angepaarten Königinnen erwarten sollte.

Die Ergebnisse der letzten vier Zuchtjahre machen uns jedoch große Hoffnung, auf dem richtigen Weg zu sein. Es haben sich inzwischen die ersten reproduzierbaren Erfolge eingestellt. Da es eine große Nachfrage nach diesem „VSH-Material“ gibt, wollten wir bereits in diesem frühen Stadium die Belegstellen für alle Züchter öffnen. Es soll keinen „Schwarzmarkt“ für VSH-Material geben und wir möchten, wenn etwas Geld vom Betrieb übrigbleiben sollte, unsere VSB-Projektgruppe im Landesverband weiter unterstützen.

Insbesondere möchten wir unsere Buckfast-Züchter unterstützen, die sich wirklich ernsthaft an einer weiteren Selektion auf VSH (Varroa Sensitive Hygiene) und SMR (= Suppression of Mite Reproduction = Unterdrückte Milbenreproduktion) in der Breite beteiligen möchten.

So werden die Nachzuchten dieser im Ammergebirge angepaarten Königinnen sicherlich immer noch sehr streuen. Das ist eben die Genetik! Und es sollten vom Beschicker nur Nachzuchten von Zuchtmüttern aufgestellt werden, die bereits auf geringen Varroamilbenbefall vorselektiert worden sind.

VSH-Zucht ist keine einfache und unkomplizierte Angelegenheit! Sie kostet viel Zeit und Mühe und vor allem auch viel Geld! Und Wunderbienen erzeugt sie schon gleich gar nicht! Unsere Buckfastbienen enthalten aber die Genetik zur Steigerung der Überlebensfähigkeit. Bei einer Bienenunterart mit offener Population ist das jedoch kein Problem!

Angesagt ist ein lang andauernder Qualitätssicherungsprozess zur Kontrolle des Varroamilbenbefalls. Und wir werden auch in den nächsten Jahren noch nicht ganz um das Behandeln unserer Völker umhinkommen. Aber es ist ein Anfang gemacht und wir hoffen, Ihnen mit der Anpaarungszone Ammergebirge und Belegstelle Leyhörn in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess in den nächsten Jahren bei Ihrer schadschwellenorientierten Völkerführung zur Seite zu stehen.

 

Und bitte verwechseln sie die Zuchtkriterien „Hygieneverhalten“ nicht mit „VSH – Varroa Sensitive Hygiene“. Nicht überall wo „VSH“ oder „SMR“ draufsteht ist auch VSH oder SMR drin.  Hier wird immer wieder von Königinnenvermehrern versucht, durch verklausulierte und irreführende Formulierungen wie „Hygiene Sensitive Königinnen“, die Gutgläubigkeit der Käufer auszunutzen. Aufspringen auf den VSH-Zug und versuchen davon zu profitieren ist leider vielerorts angesagt! Auch Formulierungen wie „stabilisiert in den Eigenschaften Grooming und Recapping“ oder „Varroahygienetest“ ist ebenfalls einfach nur irreführend.

 

Und glauben Sie mir eines: Wenn ein konkreter VSH-Wert bei einer Königin festgestellt worden wäre, dann würde dies GANZ SICHER zur Verkaufsförderung genutzt werden. Und eine Aussage „Alle Linien befinden sich im VSH und SMR Selektionsprogramm“ ist einfach nur eine nicht greifbare Behauptung die sich gut anhört und vielleicht die Kasse klingeln lässt. Seriöser Königinnenverkauf ist das nicht!

 

Seien Sie also vorsichtig bei solch „tollen“ Angeboten und Aussagen die sich nicht beweisen lassen.

 

Gerne füge ich hier mal eine Stellungnahme zu einer Anfrage wegen eines Nadeltests auf HYG+ und/oder VSH von unseren Altmeister Josef Koller ein:

„Mit „Varroahygiene“ hat so ein Nadeltest mal erst nix zu tun. Damit soll lediglich getestet werden, wie schnell und ob überhaupt kaputte Brut erkannt und ausgeräumt wird. Bis vor ein paar Jahren konnten in wissenschaftlichen Arbeiten keine Zusammenhänge zwischen diesem Ausräumverhalten und Varroa festgestellt werden. Mittlerweile gibt es aber wieder Untersuchungen, die doch einen Zusammenhang erkennen lassen…

Ich selber bin skeptisch. Es wird schon seit 20 Jahren „genadelt“. Wirkliche Fortschritte bezüglich Varroaresistenz wurden damit nicht erzielt (sonst bräucht mer ja jetzt nimmer lange Rumsuchen) …“

B75(LS) = .19-B7(ABK)1dr leyh B1324(FPK)1dr: etc.

Ein Original-Drohnenvolk für 2020 in Leyhörn. Es hat 60% SMR-Wert was einem VSH-Wert von 83 % entspricht. Das Drohnenvolk wurde auch auf den Hygienewert getestet. Dabei wurden die Puppen in 50 Zellen mit einer feinen Nadel getötet. Innerhalb von 24 Stunden war die durch den Nadeltest getötete Brut zu 100 % ausgeräumt und die Zellen von der Königin schon wieder bestiftet. Dieser 100 % Hygienewert wird leider häufig aus “vertriebstechnischen” Gründen ganz bewusst mit VSH-/SMR-Verhalten gleichgestellt. Dies ist falsch und irreführend!

 

 

 

Wenn die Vererbung bei der Honigbiene so einfach wäre, dann wären unsere schon langjährig selektierten VSH-Buckfastlinien sicherlich längst im gegenseitigen Putzverhalten (= Grooming = GRO) und Wiederverdeckeln (= Recapping = REC) erbstabil. Gerade die Frage, ob das Recapping überhaupt eine größere Rolle spielt bei SMR/VSH wird derzeit unter anderem beim BLE-Projekt untersucht.

Bekannt ist: Die Erblichkeit von Grooming ist sehr niedrig und wohl additiv. Nur sehr wenige Erbgänge bei der Honigbiene sind nach „Mendelgenetik“ rezessiv oder dominant. Es ist die Ausnahme bei der Honigbiene! Die Regel ist die additive Vererbung. Seriöse Unterlagen zu quantitativer Genetik, additiver Vererbung oder Polygenie findet man z.B. im Internet hier:

http://www.bienenmachenschule.de/pdf/Honigbienengenetik.pdf

oder hier:

http://www.glenn-apiaries.com/genetic_aspects_queen_production_1.html

Und die Umwelt spielt bei der Honigbiene ebenfalls eine große Rolle. Das beste Beispiel für den Einfluss epigenetischer Effekte (=Umwelt) kennen wir Imker sicherlich selbst am besten: Durch die Fütterung von weiblichen Bienenlarven mit Gelee Royal wird eine Arbeiterin zur Königin. Andernfalls eben zur Arbeiterin.

In dieser Quelle wird Epigenetik bestens beschrieben:

https://www.biospektrum.de/blatt/d_bs_pdf&_id=993695

Und gerade das Zuchtziel „Varroamilbenverträglichkeit“ ist leider (oder zum Glück?) multifaktoriell. Hängt also von vielen Faktoren ab, insbesondere eben auch von Umwelteinflüssen und der additiven Vererbung. Es geht somit insgesamt darum, diese Mechanismen besser zu erforschen und die in Hinblick auf Varroaresistenz und Varroatoleranz züchterisch wertvolle Genetik in unseren Bienen anzureichern.

Und uns geht es nicht darum, möglichst viele Königinnen zu einem unsinnigen und nicht nachvollziehbaren Preis schnellstmöglich an den Imker/die Imkerin zu bringen. In unserem Fokus stehen unsere Mitglieder des Landesverbandes und der anderen Buckfastverbände, die unsere Selektionsarbeit aktiv unterstützen.

Für die VSH-Drohnenlinien in 2020 haben wir uns daher etwas mehr Zeit gelassen mit der Nachzucht. Wir haben festgestellt, dass die spät im Jahr begatteten Königinnen nicht immer den Ansprüchen unserer Bienen gerecht werden. Bedingt durch schlechte Wettersituationen im Spätsommer und Frühherbst sind diese späten Begattungen nicht selten leider ein Lotteriespiel. Die Völker sind oft weisellos im Frühjahr. Wir müssten früher im Jahr die Nachzuchten machen, um gute ausreichend begattete Königinnen zu erhalten. Aber da gibt es noch nicht genug Milben zum Infizieren und Testen der Völkchen. Darum infizieren wir spät, zählen spät aus und müssen spät begatten. Gerade 2019 hat uns hier das Wetter mit einem ungewöhnlich kühlen und regnerischen September trotz bester Drohnenvolkpflege und Königinnenzucht in Leyhörn (Danke Peter Spieker!) leider zu wenige richtig gut begattete Königinnen beschert. Dazu mehr im Belegstellenbericht von Leyhörn.

Stefan Luff

Zuchtkoordinator

LV Buckfastimker Bayern e.V.