Buckfastzucht & Imkerei - organisiert seit 2002

 

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Liebe Mitglieder,

Heute stellen wir Euch unseren Zuchtbrief vor. Inhaltlich wird es hier primär um die Zucht der Buckfastbienen gehen. Stefan Luff (Zuchtkoordinator des LVBB e.V.) wird in regelmäßigem Turnus über die aktuelle Planung, bestehende Zuchtprojekte und natürlich über die Ergebnisse der Zuchtarbeit berichten. 

Mit diesem Zuchtbrief möchten wir Euch einen Einblick in die züchterischen Tätigkeiten geben und Euch die Möglichkeit bieten, bei der Weiterentwicklung der Buckfastbiene an "vorderster Front" mit dabei zu sein. 

Der erste Zuchtbrief 2018 berichtet über das VSH-Projekt des LVBB und über die nächsten Schritte hierzu.

Nutzt den Aufruf und beteiligt Euch aktiv!

Imkerliche Grüße

Andreas Zoelzer

Beirat für Öffentlichkeitsarbeit

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Zuchtbrief 1 / 2018

Informationen zum Zuchtgeschehen

 

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Sehr geehrte Mitglieder des Landesverbandes Buckfastimker Bayern e.V.!

Als Zuchtkoordinator möchte ich allen Mitgliedern eine gute und erfolgreiche Zuchtsaison 2018 wünschen, verbunden mit dem Wunsch nach vollen Honigtöpfen. Vergessen sollten wir aber nicht unser höchstes Gut: Gesundheit! Das wünsche ich Euch vor allen anderen Dingen!

Und Gesundheit wünsche ich auch unseren Buckfastbienen für dieses Jahr und für die kommenden Jahre. Zur Erreichung dieses guten Vorsatzes „Gesundheit“ in 2018 und darüber hinaus, haben wir in 2015 unser VSH-Zuchtprojekt der Landesverbände Buckfast Bayern und Buckfast Süd ins Leben gerufen.

In 2016 wurden insbesondere langjährig bereits auf Überleben ohne jegliche Behandlung selektierte Herkünfte von Josef Koller und Ralf Höling auf das Merkmal SMR (=Suppressed Mite Reproduktion = Unterdrückte Milbenreproduktion) bzw. VSH (=Varroa Sensitive Hygiene) untersucht. Die ersten Ergebnisse stimmten uns zuversichtlich.

Zunächst besamten wir im Mai 2016 bei Imkerkollegen Fritz Zieher in Bechhofen 143 Königinnen mit je nur einem Drohn und 135 Königinnen „normal“. Es waren Züchterkollegen aus ganz Deutschland dabei.

Die bayerischen Prüfvölkchen haben wir Mitte Juli mit ca. 100 Varroamilben infiziert, die wir mit Hilfe der sogenannten Puderzuckermethode gewonnen hatten. 40 Völkchen mit besamten Königinnen wurden unter Anleitung der Arista Bee Research und unter Mithilfe von freiwilligen Helfern Anfang August ausgezählt. Dabei hatten 23 Miniplusvölkchen (oder 57,5 %) einen mittleren bis hohen VSH-Anteil von über 50 %.

 

Im Einzelnen: 50,0 %: 3 = 7,5 %

62,5 %: 3 = 7,5 %

75,0 %: 10 = 25 %

87,5 %: 6 = 15 %

100 %: 1 = 2,5 %

 

Ein Erfolg, der uns sehr freute!

Züchterisch weiter gearbeitet haben wir dann mit einer Spätzucht aus den besten Völkern. 91 von diesen Nachzuchten wurden im August/September 2016 künstlich besamt, um Drohnenvölker für die nächste Saison vorrätig zu haben und das gewonnene genetische Material zu sichern.

Im Frühjahr 2017 waren dann ca. 10% der unbehandelten eindrohnbesamten (=sdi = single drone insemination) Miniplusvölkchen nicht mehr am Leben. Damit waren wir mehr als zufrieden. Handelte es sich doch um Kleinsteinheiten mit einer geringen genetischen Breite.

Darauf aufbauend haben wir in 2017 neben der Weiterentwicklung der 2016er Linien neue und damit ganz normale Buckfastherkünfte und auch wieder vorselektierte Herkünfte in das VSH-Projekt mit dazu genommen. Dadurch wollen wir eine breitere züchterische und genetische Basis erreichen. Auch die Zahl der teilnehmenden Buckfastzüchter am Projekt hat sich nochmals erhöht.

 

Zudem erhielten wir von Paul Jungels aus Luxemburg eine Drohnenlinie - V97-3(PJ) mit 75 % VSH und V96-3(PJ) mit 87,5 % VSH - für unsere neue VSH-Belegstelle im Ammergebige und für das Projekt selbst zur Verfügung gestellt. Und die Resonanz auf die ersten Belegstellendurchgänge war sehr gut. Es wurden 675 Königinnen zur Begattung angeliefert. Die 16 Drohnenvölker wurden zusammen mit Buckfast Süd von Martin Rößner, Fritz Zieher, Norbert Schott, Carsten Hupfer, Ralf Höling, Gerhard Kottek, Matthias Arndt und mir gestellt. Belegstellenleiter war Georg Gindhart, der uns seinen Wanderplatz im Naturschutzgebiet zur Verfügung gestellt hatte. Und auch der Fachberater für Imkerei in Oberbayern, Arno Bruder, hat uns sehr gut unterstützt. Danke an dieser Stelle!

 

Im Mai 2017 besamten wir erneut bei Imkerkollegen Fritz Zieher in Bechhofen 149 Königinnen mit nur einem Drohn und 141 Königinnen „normal“ mit mehreren Drohnen (=mdi = multi drone insemination). Abermals waren Züchterkollegen aus ganz Deutschland mit dabei.

So konnten Ende Juli 2017 stolze 122 Völkchen unter Anleitung der Arista Bee Research von einer weiter vergrößerten Helferzahl ausgezählt werden. 56 Miniplusvölkchen (oder 45,9 %) hatten einen mittleren bis hohen VSH-Anteil von über 50 %.

 

Im Einzelnen: 50,0 %: 15 = 12,3 %

62,5 %: 15 = 12,3 %

75,0 %: 15 = 12,3 %

87,5 %: 11 = 9,0 %

100 %: 0 = 0,0 %

 

Auch das war ein Erfolg, der uns sehr freute!

Wie Ihr an den Ergebnissen sehen könnt, ist durch die Ausweitung des Zuchtprogramms, der Anteil der hochprozentigen Ergebnisse etwas gesunken. Insgesamt gesehen sind wir dennoch mehr als zufrieden, auch wenn wir gerade das Selektionsziel 100 % VSH in 2017 leider noch nicht erreicht haben. Auf jeden Fall haben wir derzeit eine größere züchterische und genetische Basis, die es weiter auszubauen gilt.

Erreicht haben wir es aber, dass sich immer mehr Zuchtgruppen mit dem Thema: „SMR/VSH - Überleben der Bienenvölker ohne Behandlung gegen die Varroamilbe auf dem Wege der Eindrohnbesamung“ auseinander setzen.

Neben den bisherigen Zuchtgruppen um Arista Bee Research mit BartJan Fernhout:

• Paul Jungels und Jos Guth in Luxemburg

• Renaud Lavend´Homme und Jacques Delhez in Belgien

• Buckfast Marken mit Gerbert Kos in den Niederlanden

• ​Peter Spieker in Niedersachsen (GdeB)

• Matthias Arndt und Gerhard Kottek in Baden-Württemberg

• Thomas Kodym und Klaus Mitterhauser in Österreich

• und Buckfast Bayern

 

Bildeten sich neue VSH-Projektgruppen:

• Buckfast Schweiz

• Buckfast Nordrhein-Westfalen

• Biolandimkerei Lutz Eggert in Thüringen

 

Weitere interessierte Züchter finden sich nicht nur in Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Wir freuen uns hier auf eine weiter positive Entwicklung! Wie geht es weiter mit dem VSH-Projekt?

Im Herbst 2017 trafen sich die Aristagruppen im Rahmen des Berufsimkertages in der Nähe 

von Donaueschingen und haben die weitere Vorgehensweise abgestimmt.

Dabei stellten wir fest, dass gerade die Infektion mit Varroamilben eine der größten Hürden im Projekt darstellt. Auch für die einheitliche Vorgehensweise bei Führung der Minipluskleinstvölker, Organisation der Auszählung und die Bedeutung der Varroabefallsermittlung wurde ausgiebig diskutiert.

Die Aristagruppen werden abgestimmt aber dennoch selbständig weiter nach VSH in bestehenden Buckfastlinien suchen und die gefundenen Gene versuchen in den Linien anzureichern. So bald als möglich wollen wir in Bayern unseren Mitgliedern auch Buckfastlinien mit hohen VSH-Werten zur Verfügung stellen. Mit der Linie B147Vt gehen wir einen ersten Schritt in diese Richtung. Sie wird in 2018 im Karwendel zur Aufstellung kommen. Näheres zu dieser Linie steht auf unserer Homepage.

Inzwischen sind wir zwar bereits breiter aufgestellt und auch in 2017 wurden weitere gute Erfolge erzielt. Nichts desto trotz gilt es nicht stehen zu bleiben, sondern züchterisch gut weiter zu arbeiten. Unsere Vorstellung im bayerischen VSH-Projektteam zur zukünftigen Arbeit gehen in folgende Richtung:

• Durchführung von Eindrohn-/Mehrdrohnbesamungen

Termin: voraussichtlich 1./2./3. Juni 2018

Besamer wird unser Mitglied Dr. Dietrich Niklas in Schwandt bei Nürnberg sein

 

• Infektion mit 150 bis 200 Varroamilben

Termin: voraussichtlich der 15./16. Juli 2018, somit 12 Tage vor der Auszählung

 

• Auszählung der infizierten Miniplusvölkchen

Termin: voraussichtlich der 27./28./29. Juli 2018 in Bechhofen-Königshofen

 

• Betrieb der VSH-Belegstelle Ammergebirge (nur für Projektteilnehmer)

Als Drohnenlinien haben wir verschiedene Möglichkeiten vorgesehen. Da wir die Überwinterung und die Frühjahrsentwicklung abwarten wollen, haben wir uns im Projektteam noch nicht endgültig festgelegt.

 

Möglich sind:

VSH-ELmix18-01 = .16-EL13(RHO) ins EL84(KK): .15-EL131(EO) nat ELMix16(EO) no more data

Die Drohnenvölker selbst sind alles Cousinen, Nachzuchten von eindrohnbesamten Töchtern mit mindestens 75 % VSH einer Königin von Erik Österlund, besamt mit einer Buckfast/Elgon-Linie von Josef Koller. Davon haben wir als Spätzuchten vom letzten Jahr ca. 20 Völker.

 

B741Vt(LS)1dr = .16-B74Vt(KK) ins B14Vt(RHO): etc.

Diese Zuchtmutter hat 87,5% VSH und ist eindrohnbesamt. Sie ist bisher komplett ohne Behandlung von Züchterkollege Fritz Zieher geführt worden. Von dieser Kombination von „Kollerlinien“ haben wir in 2017 35 Königinnen nachgezogen und in Völker eingeweiselt.

 

Anlieferungen: ab 26.05./02.06./09.06./16.06./(23.06.)/ 30.06/07.07./14.07./21.07.

Abholungen: 09.06./16.06./23.06/30.06./(04.07.)14.07./21.07/28.07./04.08.

 

 

• Beschickung der VSH-Belegstelle Halbinsel Leyhörn (nur für Projektteilnehmer)

Drohnenlinie B34Vt(LS)1dr =

.17-B35(LS) ins B14Vt(RHO): .15-B375(LS) bal B69(TR): etc.

Nachzuchten einer 87,5 % VSH-Buckfastlinie.

Anlieferungen, vermutlich die gesamte Zuchtsaison. Die genauen Termine insbesondere die späten Mitte bis Ende August, werden noch rechtzeitig bekannt gegeben. Wir danken Peter Spieker, dem Zuchtkoordinator der GdeB, dass er es uns wieder ermöglichen wird, in Leyhörn die späte Nachzucht der besten eindrohnbesamten Königinnen von 2018 begatten zu lassen. Wir schaffen dadurch die züchterischen Voraussetzungen für ein weiter gutes Gelingen unseres VSH-Projekts in 2019. 

 

• Erhöhung der züchterischen Basis durch weitere Projektteilnehmer

Gerade über den letzten Punkt: „Erhöhung der züchterischen Basis durch weitere Projektteilnehmer“ haben wir uns lange und ausführlich Gedanken gemacht. Wir denken es ist noch nicht an der Zeit von einem Durchbruch im Kampf gegen die Varroamilbe zu sprechen. Sicherlich sind wir auf einem guten Weg und sind guter Dinge und sehr optimistisch. Aber die Erhöhung der genetischen Basis muss einhergehen mit einer Vergrößerung des Projektteams – und dabei wollen wir überschaubar bleiben.

So benötigen wir im nächsten Jahr die Mithilfe unserer Mitglieder bei den weiter oben aufgeführten Aktionen. Bei der Besamung kann man beim Fangen der Drohnen dazu helfen. Bei der Infektion mit Varroamilben brauchen wir mit Varroamilben sehr stark belastete Wirtschaftsvölker. Die Königinnen der Völker müssen dann rechtzeitig 24 Tage (= 23./24. Juni 2018) vor der Infektion (= 14./15. Juli 2018) mit dem Scalvinikäfig abgesperrt werden. Dadurch sind die Milben nicht mehr geschützt in der Bienenbrut und können mit Puderzucker abgeschüttelt und herausgeholt werden. Je auszuzählendes Völkchen benötigen wir dafür ca. 150 bis 200 Varroamilben. Insgesamt sind das bei 120 Völkchen bis zu 24.000 Varroamilben.

Weiterhin haben wir auch einiges an Zuchtköniginnen mit 50% oder 62,5% VSH-Werten, die es durchaus Wert sind, dass man mit diesen züchterisch weiter macht. Auch unsere ohne Behandlung überlebenden 75% und 87,5% VSH-sdi-Königinnen verdienen es, dass diese vermehrt werden und die Nachkommen selektiert werden. Vielleicht sind wir in ein oder zwei Jahren froh auf eine Schwesterkönigin einer VSH-Linie ausweichen zu können. Sind unsere eindrohnbesamten Königinnen genetisch teilweise doch sehr eng verwandt.

Es findet inzwischen bereits ein Austausch und gegenseitige züchterische Unterstützung für die verschiedensten vorgenannten Zuchtgruppen und Teilnehmer im VSH-Projekt statt, aber was hindert uns daran, unsere Basis noch weiter zu erweitern? Da dieses Zuchtmaterial noch „unfertig“ ist und wir es gerne weiter entwickeln möchten, suchen wir also auf diesem Weg Pedigree schreibende Züchter, die dieses Pedigree auch bereit sind zu veröffentlichen. Wir stellen uns dadurch vor, dass wir zukünftig noch mehr Nachzuchten von unseren vielversprechensten Königinnen haben werden. Auch wollen wir von Königinnen nachzüchten, die schlicht und ergreifend aus Kapazitätsgründen ausselektiert werden, obwohl diese das Zeug für eine eigene neue Linie haben.

 

Wenn Du Dich als versiertes und züchterisch erfahrenes Mitglied im Landesverband Buckfastimker Bayern e.V. in der Lage siehst, ca. 5 bis 15 eindrohnbesamte Königinnen zu betreuen, würden wir uns darüber sehr freuen. Aber bitte keine falschen Hoffnungen: Es ist aufwändig! Vom Umlarven bis zur Besamung und der sich im Juli anschließenden Infektion und der Auszählung auf VSH mit Betreuung in einem Miniplusvölkchen kommt allerhand auf einen zu. Man sollte auch bereit sein, Varroabefallsermittlungen mit der CO2-Methode oder der Puderzuckermethode oder Alkoholauswaschmethode durchzuführen. Eine späte Nachzucht noch im August und September des gleichen Jahres und koordinierte Beschickung der VSH-Belegstelle an der Nordsee (Halbinsel Leyhörn) ist darin sicherlich auch inbegriffen, wenn man das möchte. Dafür ist es dann auch erlaubt, dass man die derzeit zur Verfügung stehenden VSH-Belegstellen voll umfänglich nutzen darf. Auch mit (noch) Nicht-VSH-Linien. Und im darauffolgenden Jahr freuen wir uns darauf, dass dieser teilnehmende Züchter aus der kompletten Palette der bisherig gezüchteten VSH-Linien auch Zuchtmaterial erhält, wenn er dieses möchte.

 

Wobei wir es weiterhin bevorzugen, dass wir frisches Blut nicht nur bei den Züchtern, sondern gerade auch bei den Buckfastlinien dazu erhalten können. Vielleicht hast Du ja schon eine vielversprechende Buckfastlinie, die Du schon lange mal mit der Eindrohnbesamung und der Methode nach Arista auf VSH untersuchen willst? Wir würden uns nicht nur darüber freuen, sondern es würde die genetische Breite im VSH-Projekt deutlich erweitern und verbessern.

 

Davon lebt die Idee und Methodik der Buckfast nach Bruder Adam!

Und falls es bisher am Pedigreeschreiben fehlen sollte? Kein Problem, das kann man lernen! Wir bieten im Rahmen des VSH-Projekts ab diesem Jahr auch das Erlernen der für das Projekt benötigten und bisher nicht unbedingt geläufigen Techniken wie z.B. Auszählen mit Mikroskop und CO2-/Puderzucker-/Alkoholauswasch-Methode an.

So hoffe ich auf Eure Rückmeldungen bis zum Mittwoch, 14. Februar 2018, ob ihr interessiert seid.

Nach dem offiziellen Ende des Züchterstammtisches am 17. Februar 2018 treffen wir uns um 17.30 Uhr zu einem ersten Gespräch in kleiner Runde nur mit dem bisherigen VSH-Projektteam und den neuen interessierten VSH-Züchtern und die es werden möchten. Dauer ca. eine Stunde.

Wir, die VSH-Projektgruppe Bayern, freuen uns auf Eure Mitarbeit und schon die alten Römer wussten es:

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“

(Lucius Annaeus Seneca)

 

Züchterische Grüße

Euer

Stefan Luff

Zuchtkoordinator des Landesverbandes Buckfastimker Bayern e.V.

zucht@buckfast-bayern.de

 

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Josef Koller
Am Losenberg 1
D-92699 Irchenrieth
eMail: vorsitz1@buckfast-bayern.de
1. Vorsitzender